Interviews 2018

Interview mit Reichsfeind

KKM: Die wichtigste Frage an dich lautet natürlich erst einmal: Wie geht es dir?

RF: Danke der Nachfrage! Zurzeit geht es mir gut. Ich genieße es, nach knapp zwei Jahren Arbeit endlich mein Debütalbum in den Händen halten zu können. Die durchgehend positive Resonanz in der laufenden Promophase macht mich sehr glücklich.

KKM: Zu Anfang kannst du mir etwas über dich und deine künstlerische Entwicklung erzählen? Seit wann machst du eigentlich Musik?

RF: Mit sieben Jahren habe ich ganz klassisch am Klavier angefangen. Später kam das Alt-Saxophon dazu, beide Instrumente habe ich sehr lange gespielt. Zwischendurch gab es immer mal den ein oder anderen Ausflug in Gitarren-Gefilde, auch für Schlagzeug konnte ich mich eine Zeitlang begeistern. 2011 kam dann die Zäsur und ich konnte mir plötzlich nichts Besseres mehr vorstellen, als elektronische Musik zu produzieren.

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KKM: Wie entsteht überhaupt ein Song bei Dir?

RF: Wenn ich so etwas wie die Wiege der Inspiration verorten müsste, wäre das wohl die Bahn. Meistens fällt mir die Grundidee eines neuen Songs förmlich vor die Füße. Ist es eine Textzeile, kommt sie sofort ins Handy. Ist es eine Melodie, suche ich mir die nächstmögliche ruhige Ecke und summe sie ins integrierte Diktiergerät.
Zuhause starte ich dann in der Regel mit dem instrumentalen Refrain. Wenn ich zufrieden bin, kommt die erste Strophe hinzu. Dann ziehe ich mir das vorläufige Ergebnis auf meinen Musik-Player, gehe raus und versuche, die entstandene Stimmung thematisch aufzugreifen und textlich umzusetzen. Wenn alles funktioniert, versuche ich den Song so schnell wie möglich zum Abschluss zu bringen. Oft leichter gesagt als getan…die Detailverliebtheit hat da immer ein Wörtchen mitzureden.

KKM: Hast du selbst das Gefühl, dass du mit dem Album deine eigenen musikalischen Grenzen neu definiert und überschritten hast?

RF: Im Vergleich zu meinen frühen Demosongs hat sich beim Sound definitiv viel geändert. Niemand will eine musikalische Kopie sein, aber das gezielte Suchen nach der eigenen Handschrift kann einen ziemlich in den Wahnsinn treiben. Ich glaube, dass ich diesem Ziel durch das Loslassen dieses Gedankens im Laufe der Albumproduktion ein ganzes Stück näher gekommen bin.

KKM: Gibt es eine Singleauskopplung und ist die Single und ihre Grundstimmung repräsentativ für das komplette Album, oder werden uns da noch Überraschungen erwarten?

RF: Vor kurzem ist das Musikvideo zu Detox online gegangen. Ich würde den Song nicht als DIE repräsentative Grundstimmung des Albums bezeichnen, allerdings war das auch gar nicht das Auswahlkriterium. Vielmehr hoffe ich, dass die Hörer die Vielseitigkeit von LIVING IN SPACE schätzen werden. Um einen guten Eindruck von der Stimmung des Albums zu erhalten, empfehle ich jedem, mal in den umfassenden Album-Trailer auf YouTube rein zuhören.
“Angekündigte Überraschungen sind doch nur halbe Überraschungen

KKM: Gibt es einen Song auf dem Album, der dir besonders am Herzen liegt? Wenn ja, welcher und warum?

RF: Vermutlich The Shape. Er besiegelt den endgültigen emotionalen Abschluss mit einer langjährigen Beziehung, deren Ende mich sehr lange beschäftigt hat.

KKM: In deinen Songs ist oft eine gewisse Melancholie festzustellen. Bist du ein melancholischer Mensch?

RF: Ich würde mich selbst nicht als melancholischen Menschen bezeichnen. Die Verarbeitung von derartigen Gefühlen in musikalischer Form ist einfach das beste Ventil. Ich schließe dunkle Gedanken in einen digitalen Käfig und kann mich in Zukunft auf Verlangen jederzeit wieder mit ihnen auseinandersetzen. Ein ziemlich befreiendes Gefühl, wie eine Katharsis.

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KKM: Vieles auf dem neuen Album scheint auch in gewisser Weise selbst analytisch. Hast du auf diesem Album auch Selbsterlebtes verarbeitet? Wie wichtig ist dir der inhaltliche Aspekt in deinen Songs?

RF: Die Texte sind mir unheimlich wichtig. Allerdings will ich ungern zu sehr ins Detail gehen, gerade weil ich die Bedeutung der Songs für den Hörer nicht unwiderruflich mit meiner Inspiration überschreiben möchte.

KKM: Wenn du in der Welt etwas verändern könntest, was würdest du tun? Würdest du gerne in einer anderen Welt als der unseren leben?

RF: Wir sollten uns alle wieder vorrangig mit unseren Mitmenschen anstelle von austauschbaren materiellen Gütern beschäftigen. Alle arbeiten sich kaputt, weil Erfolg und gesellschaftliches Ansehen mit Geld gleichgesetzt wird. Wir rennen nur noch mit Scheuklappen durch die Gegend. Wann hat dich zum letzten Mal eine wildfremde Person auf der Straße gegrüßt? Über Nacht ist daran wenig zu ändern, da können wir uns nur alle an die eigene Nase fassen und versuchen, es jeden Tag ein bisschen besser zu machen.

KKM: Nenne mir drei gute Gründe, warum man dieses Album unbedingt kaufen sollte.

RF: Es ist vielseitig, extrem atmosphärisch bei bleibender Tanzbarkeit und einfach ein bisschen anders.

KKM: Wenn man solche Musik macht, fragt man sich, was du wohl sonst so für Musik hörst?

RF: Tatsächlich höre ich privat derzeit relativ wenig Musik, die der Schwarzen Szene zuzuordnen wäre. Momentan begeistere ich mich sehr für Techno und Psytrance. Der Bereich der elektronischen Musik ist so breit gefächert, da macht es auch einfach Spaß, mal abseits der vertrauten Wege nach neuen Subgenres zu suchen. Letztens bin ich durch eine Freundin auf LORN gestoßen. Total abgefahren.

KKM: Was für Pläne hast du für 2018? Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Dir alles Gute für die Zukunft!

RF: Ich hoffe, dass ich REICHSFEIND im Laufe des nächsten Jahres zusammen mit Kayfabe LaNoise von Wynardtage auf die Bühne bringen kann. Kay hat mir während der gesamten Albumproduktion jederzeit mit gutem Rat beiseite gestanden und zu einigen Songs Ideen beigesteuert. Ich bin sehr froh, dass es zu dieser Zusammenarbeit gekommen ist.

Ich habe zu danken!

geschrieben von Claudia Tomaszewski

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