Dass das erfolgreiche Chart-Album Venus Luzifer, mittlerweile das dritte Werk der niedersächsischen Dark-Rocker Unzucht, noch Einiges mehr zu bieten hat, als den letztjährigen Vorgeschmack Unendlich, ist natürlich allen Hörern der Platte längst klar. Für diese und alle anderen folgt nun mit Schweigen/Seelenblind eine taufrische EP.
Die doppelte A-Seite mit zwei Album-Tracks wird selbstverständlich durch eine doppelte B-Seite gematched: Zwei nagelneue und bisher unveröffentlichte Songs der Unzucht – gewohnt hochwertig, melodisch und düster. Obendrauf gibt es mit vier exklusiven Remix-Versionen die volle Breitseite. Death Valley High aus San Francisco, ihres Zeichens Support beim ersten Teil der Venus Luzifer Tour, haben Seelenblind ein cooles Cali-Goth-Gewand im Stil der späten 80er Jahre verpasst, während die neue Band Erdling (Support beim zweiten Teil der Venus Luzifer Tour) um die ehemaligen Stahlmann-Members Neill Freiwald und Niklas Kahl den Song Neugeboren in einer beschleunigten lupenreinen NDH-Version erstrahlen lassen. Dazu gibt es eine Oldschool-Industrial-Version von Schweigen, die vom Allstar-Projekt Bells Into Machines (unter anderem mit Paul Barker (Ex-Ministry) und Chris Connelly (Ex-Revolting Cocks)) fabriziert wurde, sowie eine wahnsinnige Electro-Keule des Songs Das Denkmal fällt, an dem sich Dr. Disko (Ex-Krieger) mit seiner neuen Kombo Roboz zu schaffen gemacht hat. Alle Regler auf 10!
Tourdates Oktober/November 2015:
22.10.15 Aschaffenburg – Colos-Saal
23.10.15 Wuppertal – LCB
24.10.15 Dresden – Puschkin
29.10.15 Hannover – Musikzentrum
30.10.15 Oberhausen – Kulttempel
05.11.15 Heidelberg – Schwimmbad
06.11.15 Münster – Sputnikhalle
07.11.15 Rostock – MAU Club
Tracklisting:
1. Schweigen
2. Seelenblind
3. Die Dialektik des Schreckens
4. Ein letzter Gedanke
5. Seelenblind (Death Valley High Remix)
6. Neugeboren (Erdling Remix)
7. Schweigen (Bells Into Machines Remix)
8. Das Denkmal fällt (Roboz Remix)
UNZUCHT – Freischwimmen aus dem Tümpel der menschlichen Untugenden
Vom Nebel fast verschluckt, so sehen wir sie an – traurig, in sich gekehrt, gezeichnet, und doch so sanft, dass man sie sanft wiegen möchte: die düstere Schöne auf dem grafischen Werk von Stefan Heilemann, das die neue EP der dänischen Dark Rocker von Unzucht ziert. Die Qual der Wahl kommt den Hörern zugute, konnten sich die vier Musiker doch nicht entscheiden, welcher Titel der Aufhänger der neuen Cd werden sollte und so präsentiert sich, nach dem Top-Album „Venus Luzifer“ im Vorjahr, „Schweigen / Seelenblind“ als Doppelsingle mit zwei unveröffentlichten Tracks und vier Remixen, die unter Mitwirkung bekannter Größen neue Einblicke auch in die Welt der Neuen Deutschen Härte geben und das Mischpult erfrischen.
Der von De Clercq arrangierte Tietelsong „Schweigen“ spiegelt textlich die Betroffenheit wieder, die sich bereits beim Anblick des Covers ausbreitet. Eine melancholisch-dramatische Stimme bereitet sich auf den Abschied vor: „Wenn ich jetzt geh und die Worte jeden Sinn verlieren, schau nicht zurück, denn ein Teil von mir überlebt in dir.“ Herannahende Einzelklänge gehen prompt über in volle, elektronische Melodien und harte Gitarrenriffs, eingebettet darin fast gesprochene Passagen mit Zeilen wie: „Kommt irgendwann deine Zeit, dann bin ich es, der dich führt.“ Doch wer neben der Unfassbarkeit und der Schwerelosigkeit der Texte traurige Melodien erwartet, täuscht sich, denn das neue Werk zeichnet sich insgesamt aus durch lebhafte und schnelle Rhythmen und wiedererkennbare Refrains.
Die Ignoranz und der Egoismus springen aus „Seelenblind“, dem zweiten Song der EP, der kritisiert durch Texte wie: „Was immer in dir vorgeht, es dreht sich nur um dich.“… „Dein Reflektorschild ist immer hochgefahren.“ Der ruckartige Wechsel zwischen Elektronik und vollen E-Gitarren und Refrain lässt abheben. Die harten, schnellen Beats folgen auch in den Titel „Die Dialektik des Schreckens“, der von dem Niedermachen anderer spricht. „Vertrauen wird als Schwäche verlacht.“, ist eine Aussage des Tracks. Der Song besticht durch seine wiederkehrenden, kurzen Riff-Solos und eine entschlossene Stimme, die erklärt: „Die Dialektik des Schreckens beginnt erst im Kleinen und dehnt sich dann aus.“
Der nachfolgende Titel „Ein letzter Gedanke“, deren Passagen vielleicht stellenweise etwas an die frühen „69eyes“ erinnern, zeigt den Grundgedanken der EP auf, so soll „Schweigen / Seelenblind“ doch Hoffnung geben, Mut, alles so zu nehmen, wie es ist und sich dem Unüberwindbaren entgegen zu stellen, das Beste aus dem machen, was kommt. „Denn im Leben kommt alles erstens ganz anders und zweitens, als man denkt.“ Ein Aufruf an den Hörer: „Darum lache solange du noch Luft hast.“
Den ersten Remix der EP steuern Death Valley High bei, Support-Act des vergangenen, ersten Teils der Venus Luzifer-Tour. Mit ihrer Neuinterpretation von „Seelenblind“ geben sie dem Track durch Claps und Drums, verzerrter Elektronik und dumpfen Beats ein ganz anderes Gewand. Berauschende Bässe und kurze Drumsolos betten das verzerrte Flüstern ein, das vorwirft: „So gehst du durchs Leben, weil fast alle so sind.“ Der nächste Remix zum Song „Neugeboren“, an dem sich die Gruppe „Erdling” beteiligte, sticht hervor, ist er doch eine schnelle Nummer, umgesetzt nach Art der Neuen Deutschen Härte. Dumpfer und lauter als seine Vorgänger, wirkt er angriffslustig, fast als würden Soldaten marschieren, tönt es im Gleichklang: „Zwei, drei, vier – neugeboren.“ Der Refrain ist gewohnt melodiös und lyrisch mit Sätzen wie: „Ein letztes Mal, ein letzter Kuss, die letzte Schlacht, in die ich ziehen muss.“ Während bisher der Gesang in den Vordergrund rückte, stellen sich in dem Bells Into Machines Remix des Titels „Schweigen“ Stimme und Backrhythmen auf eine Stufe. Die schrägen, dröhnenden Clubsounds übertönen stellenweise die computerbelegte Stimme.
Ganz auf Clubmodus gestellt ist der Roboz Remix von „Das Denkmal“, der von Dr. Disko bearbeitet, die letzten Zögernden auf die Tanzfläche lockt. Wilde Schreie, flashige Beats und auseinander geratene Elektronik rufen zum finalen Aufschreiten auf – denn es ist Zeit: „Jede Sekunde wiegt jetzt fast ‘ne Stunde und trotzdem ist das Ende nicht mehr weit.“ Mit Drums, die einen Herzschlag zu simulieren scheinen, schließt der technoide Song das Gesamtwerk.
Alles auf Eins komprimiert – das haben Unzucht mit „Schweigen / Seelenblind“ geschafft – ein Werk, das dazu aufruft, sich dem Niedertrampelnden zu widersetzen – für den Träumer, für den Schmerzteilenden und für den Abtanzenden. Eine gelungene Arbeit.
facebook: https://www.facebook.com/Unzucht
Website: unzucht-music.com
geschrieben von Kathleen Strobach
- english version -
UNZUCHT – EP „Schweigen / Seelenblind“published 07.08.2015 (NoCut)
UNZUCHT – Schweigen/Seelenblind (engl. Version)
It’s obvious that the succesful chart-album Venus Luzifer by German dark rockers Unzucht has much more to offer than last year’s first taste Unendlich. For listeners and fans alike, here’s the fresh single Schweigen/Seelenblind. The double a-side featuring two album tracks is of course matched by a double b-side: two brand new original and previously unreleased songs by Unzucht, melodic and also gloomy. On top, there’s four exclusive remixes – the full package. Death Valley High from San Francisco, the support band from the first part of the Venus Luzifer tour, painted the song Seelenblind in a cool cali-goth style reminiscent of the late 80’s, while newcomers Erdling, a band featuring ex-Stahlmann members and also support on the second leg of the Venus Luzifer tour, let Neugeboren shine in an accelerated full-on NDH version. In addition, there’s an oldschool industrial version assembled by allstar project Bells Into Machines (featuring Paul Barker (Ex-Ministry) and Chris Connelly (Ex-Revolting Cocks)) plus a mad electro slammer transformation of Das Denkmal Fällt that was cut up by Dr. Disko (Ex-Krieger) with his new band Roboz. Bring it on!
Tourdates Oktober/November 2015:
22.10.15 Aschaffenburg – Colos-Saal
23.10.15 Wuppertal – LCB
24.10.15 Dresden – Puschkin
29.10.15 Hannover – Musikzentrum
30.10.15 Oberhausen – Kulttempel
05.11.15 Heidelberg – Schwimmbad
06.11.15 Münster – Sputnikhalle
07.11.15 Rostock – MAU Club
Tracklisting:
1. Schweigen
2. Seelenblind
3. Die Dialektik des Schreckens
4. Ein letzter Gedanke
5. Seelenblind (Death Valley High Remix)
6. Neugeboren (Erdling Remix)
7. Schweigen (Bells Into Machines Remix)
8. Das Denkmal fällt (Roboz Remix)
UNZUCHT – Swimming out of the pool of human vices
Almost swallowed up by the fog, so we see her – sad, introspective, drawn, and yet so gentle that you want to weigh her gently: the gloomy Beauty on the graphic by Stefan Heilemann, that is on the new EP of the Danish dark rocker “Unzucht”. Because the four musicians couldn’t decide what title should be the hanger of the new cd, after “Venus Luzifer” in the last year, “Schweigen / Seelenblind” is published as double single with two unreleased tracks and four remixes of known sizes, also showing a new part of the world of the New German Hardness, which also refreshes the console.
The Song “Schweigen”, arranged by De Clercq, lyrically reflects the concern again that already spreads while looking on the cover. A melancholic-dramatic voice prepares to leave: “Wenn ich jetzt geh und die Worte jeden Sinn verlieren, schau nicht zurück, denn ein Teil von mir überlebt in dir.” Individual sounds promptly go into full, electronic melodies and hard guitar riffs, with almost spoken lines embedded, like, “Kommt irgendwann deine Zeit, dann bin ich es, der dich führt.” But who waits for sad melodies, next to the elusiveness and the gravity of the texts, is wrong, because the new work is characterized total by lively and fast rhythms and recognizable choruses.
The ignorance and selfishness jumps out “Seelenblind”, the second song of the EP, that criticized by texts like: “Was immer in dir vorgeht, es dreht sich nur um dich.“… “Dein Reflektorschild ist immer hochgefahren.” The fast change between electronics and full electric guitars and chorus stands out. The hard, fast beats also followed into the title “Die Dialektik des Schreckens”, that is talking about hurting others. “Vertrauen wird als Schwäche verlacht.”, is a statement. The song stands for short reef solos and a resolute voice that says: “Die Dialektik des Schreckens beginnt erst im Kleinen und dehnt sich dann aus.”
The following title “Ein letzter Gedanke”, that perhaps remind to the early “69eyes” sometimes, shows the spirit of the EP, that means that “Schweigen / Seelenblind” shell give hope and courage to accept everything as it is and to fight the insurmountable, make the best of what comes. “Denn im Leben kommt alles erstens ganz anders und zweitens, als man denkt.“ An appeal to the listener: “Darum lache solange du noch Luft hast.“
The first remix on the EP is with Death Valley High, which supported on the first part of the Venus Luzifer Tour. They give a new interpretation of “Seelenblind” with claps and drums, distorted electronics and muffled beats – a very different guise. Intoxicating bass and short drumsolos embed the distorted whisper that accuses: “So gehst du durchs Leben, weil fast alle so sind.” The next remix of the song „Neugeboren“ is with “Erdling. The title stands out – it’s a fast number, showing a new type of New German Hardness, louder and harder than its predecessor, it sounds aggressively, almost as if soldiers marching: “Zwei, drei, vier – neugeboren.” The chorus is usual melodious and lyrical with sentences like: “Ein letztes Mal, ein letzter Kuss, die letzte Schlacht, in die ich ziehen muss.” Whereas previously the vocals moved to the fore, in the Bells Into Machines Remix of „Schweigen“ the voice and baking rhythms are on an equal footing . The oblique, booming club sounds sometimes are louder than the computer voice.
In club mode is the Roboz Remix of “Das Denkmal”, which is edited by Dr. disco, and let the last hesitants come to the dance floor. Wild cries, flashy beats and apart guessed electronic scream for the final step – because it’s time: “Jede Sekunde wiegt jetzt fast ‘ne Stunde und trotzdem ist das Ende nicht mehr weit.” With drums that seem to simulate a heartbeat, the techno song completes the work.
Everything is compressed to one – that is “Schweigen „ Seelenblind“ – a work that tells you to fight against the things that make you down – for the dreamer, for the one who lives with pain and the dancer. A successful work.
facebook: https://www.facebook.com/Unzucht
Website: unzucht-music.com


