Interview – Vadot – März 2016


KKM : Da Ihr als Band vielen Lesern erst mal noch kein Bergriff sein werdet, würde ich Euch bitten die Band Vadot doch einmal mit eigenen Worten vorzustellen. Wie, wann und wo kam es zur Gründung der Band. Und wer genau verbirgt sich alles hinter dem Namen ….

V: Wir haben uns 2009 zusammen getan. Zu dieser Zeit spielten wir alle in verschiedenen Formationen. Ich hatte da dieses Studio-Side-Projekt – irgendwann wurde aus dem Nebenprojekt das Hauptprojekt und dann gings los.

KKM : Gibt es so etwas, wie eine grundsätzliche Idee, die sich hinter Vadot verbirgt?

V: Wir haben vorher alle in klassischen Rock-Bands Musik gemacht. Es war schon immer mein Wunsch Elektrosounds in die Songs zu integrieren. Als ich Beate traf und sie auf so etwas auch Lust hatte, war das wohl Fügung des Schicksals. Darüber bin ich sehr dankbar.

KKM : Das Heranwachsen eines neuen Albums ist bekanntlich immer eine recht intime Angelegenheit. Von der Auswahl der Songs, dem Komponieren neuer Stücke und der Aufnahme und der Veröffentlichung vergehen Monate, wenn nicht manchmal Jahre. Wie würdet Ihr den Entstehungsprozess beschreiben? Welche Gefühle und Intentionen stecken in diesem Album?

V: Die Produktion der CD dauerte tatsächlich zwei Jahre. Nach unserem Konzept-Album „Teufels Beitrag“ wollten wir ursprünglich etwas Rock´n Roll und keinen Fahrplan. Dann kamen die ersten Song-Skizzen und schnell wurde klar, die unverbrauchten Sounds und prägnante Elektro-Flächen geben die Richtung vor. Um es mit Oli Schulz zu sagen: „Wenn die Schuhe passen geh den Weg und trag sie“ Wir sind sehr stolz auf die Produktion.

KKM : Das neue Album wirkt auf mich sehr gereift. So finde ich die Qualität der Aufnahmen und die Abwechslung im Instrumentarium und den verschiedenen Gesängen sehr gut. Wo seht Ihr selbst die Unterschiede zu Euren früheren Veröffentlichungen?

V: Danke! Das ist ein tolles Kompliment. Wenn man sich seit fast 20 Jahren mit Musik beschäftigt (wir haben alle mit neun begonnen – lacht) und als Autodidakt von so vielen großartigen Bands umgeben ist, möchte man sich natürlich weiter entwickeln. Ich hoffe wir schaffen noch ein paar Sprünge nach oben. – Vielleicht bekommen wir ja dann in 20 Jahren auch mal einen Echo von Helene Fischer überreicht. (lacht)

KKM : Wie kamt ihr auf das Cover und den Titel des letzten Albums?

V: Ganz ehrlich? Wir stecken unsere komplette Aufmerksamkeit und alles Geld ohne jegliche externe Unterstützung in die Musik. Es gibt keinen Promoter, keine Agentur und es gibt kein Major-Label das uns trägt. Zunehmende Pay-to-play Konzerte, Etablierte Radiostationen in denen es keinen Platz mehr für Nischen-Musik gibt, sowie das Hinterherhecheln nach den Klick-Zahlen im Internet schlägt uns als Echo entgegen. Ein Song wie „Luft und Likes“ drängte sich förmlich auf. Quallen die im offenen Meer haltlos treiben haben uns als Bild dazu gut gefallen. Sie lieben wahrscheinlich ihr Element Wasser, so wie wir Musik, dennoch sind wir alle den Strömungen willkürlich ausgesetzt.

KKM : Wie zufrieden seid Ihr mit dem bisher Erreichten und was würdet Ihr ändern, wenn ihr die Zeit zurückdrehen könntet?

V: Wie haben in dieser Zeit so viele tolle Leute getroffen. Bands, Kollegen, neue Freunde, großartige Menschen und wunderbare Künstler. Da hatten wir wirklich Glück. Dieser nach Außen hin „unsichtbare“ Erfolg ist wohl das schönste Geschenk. Das mit der Veränderung ist so eine Sachen. Es verändert sich doch eh alles stetig, viel schwerer ist es einer Sache treu zu bleiben.

KKM : Welche konkreten Pläne habt Ihr für die nahe Zukunft?

V: Freundschaften pflegen und hoffentlich ein paar Leute glücklich machen.

KKM : Und wo seht Ihr Euch in 20 Jahren?

V: Beim Echo mit Helene Fischer – Gehen wir dann noch als Newcomer durch?

KKM : Was könnt Ihr uns über Eure Live Aktivitäten berichten? Bekommt ihr oft die Gelegenheit Live zu spielen?

V: Mal mehr mal weniger. Leider hat es die Livemusik in den kleinen Clubs sehr schwer. Aber das ist ein generelles Problem unserer Zeit. Wir machen so lange weiter bis der Trend wieder da ist.

KKM : Wie kann man sich einen Auftritt vorstellen? Was geht bei Euch so auf der Bühne ab?

V: Das hängt natürlich immer ein bisschen vom Publikum ab. Wer aber zu uns aufs Konzert kommt, bekommt immer 100% VADOT.

KKM : Mit welchen Schwierigkeiten habt Ihr als Band momentan am meisten zu kämpfen? Oder läuft bei Euch alles so, wie es laufen sollte?

V: Die größte Herausforderung ist wohl das wenige Interesse an Livemusik in den kleinen Clubs. Die Veranstalter haben es tatsächlich sehr schwer. Der schwarze Peter wird jedoch zunehmend gerne weiter gegeben und die Bands sollen für das rund um Paket her halten. Werbung, eine volle Hütte, die Clubmiete, Techniker, Anfahrt, Unterkunft und natürliche auf der Bühne eine Show wie Rammstein abliefern. Wir reden hier von Kosten 500,- Euro aufwärts pro Konzert. Das sind Vorleistungen die es eigentlich fast unmöglich machen live zu spielen.

KKM : Gibt es etwas in Eurem Leben,das Ihr wirklich bereut?

V: Nein :)

KKM : Könnt Ihr euch selbst in 3 Worten beschreiben?

V: pflegeleicht, warmherzig, offen

KKM : Was ist denn generell das lustigste, verrückteste, peinlichste, kurioseste oder wie auch immer beeindruckenste Erlebnis Eurer bisherigen, musikalischen Laufbahn gewesen?

V: Sehr schöne Frage. Ich würde mal sagen Heins Strunks „Fleisch ist mein Gemüse“ passt auf so ziemlich viel, was wir so oder so ähnlich auch schon erlebt haben. Wenn wir mal Zeit haben gibt das sicher ebenfalls ein gutes Buch.

KKM : Was würdet Ihr für Geld niemals tun?

V: Sehr sehr viel. Leichter lässt sich die Frage anders rum beantworten. Für Geld kann man unsere CD´s kaufen, vielleicht ein VADOT T-Shirt, wenn man möchte und natürlich das Ticket für ein Konzert. Mehr nicht! Wenn wir in einem Kontext nicht erscheinen möchten, machen wir es auch nicht. Selbst eine Prostituierte lässt nicht alles für Geld mit sich machen. Das vergessen die Leute aber anscheinend immer.

KKM : Welche Vorbilder oder Helden habt Ihr?

V: Ach das wechselt immer mal von Woche zu Woche. Aber Depeche Mode und DAF sind für uns zeitlos.

KKM : Zum Schluss dann noch das obligatorische “Ihr müsst den Satz vervollständigen”-Spiel:

Ein Satz beginnt mit den Worten ”Wenn ich drei Wünsche frei hätte…“. Wie beendet Ihr ihn?

V: Weniger soziale Ungerechtigkeit, mehr Empathie und die Abschaffung der Winterzeit.


Vielen Dank für dafür, das Ihr Euch die Zeit für das Interview genommen habt und alles Gute für die Zukunft!

Claudia Wagner für KainklangMusikmagazin