Wenn Leichenfresser lieben …von Marius Kuhle

 

Ihre Heimat sind die Friedhöfe dieser Welt.

Bei Anbruch der Nacht kommen sie an die Oberfläche.

Das Fleisch der Verstorbenen ist ihre Nahrung.

Für den Friedhofswärter Kevin gibt es nur drei Dinge im Leben: Filmmusicals, seine herrische Mutter und seinen Job.Sein trister Alltag nimmt eine unerwartete Wendung, als drei Vandalen nachts auf dem Friedhof randalieren und nicht nur die Ruhe der Toten stören, denn unter den Totenackern dieser Welt leben die Ghule.Als Kevin auf eine Leichenfresserin trifft, die ihn wohl schon länger beobachtet, nimmt das Schicksal seinen Lauf und eine blutig morbide Liebesgeschichte beginnt.Marius Kuhle vermengt einen Spritzer Horror mit einem Schuss Romantik, gibt eine Prise Musik hinzu und fertig ist das Grusical über eine Horromance zwischen zwei sich Liebenden, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Marius Kuhle “Wenn Leichenfresser lieben …”

Über den Autor:

Marius Kuhle kommt aus Oberhausen und schreibt seit mehr als zehn Jahren. Bisher hat er einunddreißig Kurzgeschichten in den Bereichen Horror, Fantasy und Science-Fiction in Anthologien und Magazinen veröffentlicht. Dabei haben ihm Genreregeln oder gängige Konventionen nie irgendwelche (literarischen) Grenzen gesetzt. Im Gegenteil, sie haben ihn zu unterhaltsamen, ungewöhnlichen Geschichten inspiriert und angespornt. So ist auch »Wenn Leichenfresser lieben …« entstanden, sein erster Roman

Leseprobe
»Wenn Leichenfesser lieben …« von Marius Kuhle
KAPITEL III

Kevin stimmte gerade eine Saite, als von draußen die Geräusche seiner Nachbarn zu ihm
drangen: Knurren, Schmatzlaute, Schritte von nackten Füßen im Gras, ihr Geheul, das
hysterische, humorlose Lachen …
»Das darf doch nicht wahr sein«, murmelte er, stellte die Gitarre neben das Bett und ging
zum Fenster.
Der Himmel war doch viel zu klar und der Friedhof zu gut beleuchtet, als dass sie sich an
die Oberfläche trauten. Allerdings bestätigten Ausnahmen bekanntlich die Regeln.
Sie hatten den Leichnam nicht in ihr Erdreich gezogen, sondern ihn von unten nach oben aus
dem Grab befreit. Das bedeutete für Kevin nicht nur eine schlaflose Nacht, sondern auch, dass
er wieder das Grab zuschaufeln und ihre Hinterlassenschaften beseitigen musste.
Im aufziehenden Nebel, der durch das Mondlicht erhellt leuchtete, erkannte Kevin die
Umrisse, Schemen und Schatten der Ghule. Sie tollten herum, schienen miteinander Fangen
zu spielen, hockten auf den Grabsteinen und ein paar huschten ziellos umher. Die meisten
balgten sich aber um das frische tote Fleisch.
Den Körper hatten sie größtenteils aus dem Leichentuch befreit, das dem Verstorbenen nur
noch in Fetzen über dem Körper hing, und zerrten diesen über den Boden, während sich das
Rudel an ihm nährte. Wer keine freie Stelle fand, um sein Maul in das Fleisch zu graben, riss
einfach ein Stück vom Festmahl ab, entweder einen Arm, ein Bein oder Fleischbrocken, und
trottete damit zwischen den Gräbern davon.
Die Größe und Proportion der Ghule erinnerten an Menschen, mehr konnte und wollte
Kevin nicht erkennen.
Er war gerade dabei, das Fenster zu schließen, da entdeckte er im weiß erstrahlten Dunst
eine undefinierbare Gestalt nicht weit von der Friedhofsmauer entfernt.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.