Review – Holly Loose – Melancholia Release: 23.11.2018

Einen Gemütszustand namens Melancholie kennt jeder von uns, nachdenkliche Stunden, schwermütige Tage und traurige Erinnerungen. Melancholische Abende verbringe ich immer begleitet von dem ein oder anderem Glas Whisky, ein paar Zigaretten und leiser Musik, welche vor allem durch die langsamen Töne von Gitarren und Piano definiert wird. Doch nun wird es anders, die Musik wird lauter gemacht, denn Holly Loose hat, passend zur grauen und kalten Jahreszeit, sein erstes Solo-Album herausgebracht. Mit seinem Erstwerk „Melancholia“ bietet er den Soundtrack zu einem Gefühl, welches wir alle kennen aber so schwer zu beschreiben ist.

„Der Stein“ fungiert als Opener des Albums und es wird sofort klar welchen Ton dieses anschlägt, ruhig, langsam und auf eine gewisse Art und Weise doch so groß. Die einzigartige, warme und starke Stimme von Loose wird getragen durch ruhige Melodien.

Eines der Highlights auf der Platte ist der Dritte Track, „Irgendwann“. Eine Art Dunkelheit macht sich breit, eingeleitet von Streichern die nach und nach von Akustikgitarre, Piano und sanften Percussions komplettiert werden. Loose schafft es mit dem Text, etwas zu definieren für was uns sonst immer die Worte fehlten.

Eine vertonte Version von Theodor Fontanes „John Maynard“ befindet sich in der Tracklist an vierter Stelle. Eines der berühmtesten und wahrscheinlich am meisten auf den Lehrplänen stehenden Gedichte des Poeten zu vertonen ist mutig. Dieser Mut zahlt sich definitiv aus, durch eine langsam steigende Intensität schafft Loose hier grandioses Denkmal für die Legende des John Maynards.

Mit „Alle Wasser“, dem sechsten Track und damit der Halbzeit, erschafft Rainer Stefan Hoffmann, so Looses bürgerlicher Name, eine Symphonie für den Tod. Selten war das Ableben schöner. Normal halte ich mich mit Vergleichen zurück, da sie entweder als Beleidigung aufgenommen werden können oder einem Künstler nicht gerecht werden. Aber hier kann ich nicht anders. Mit dieser Komposition, dem Text und der Stimme stellt sich Loose auf eine Stufe mit Leonard Cohen. Und das ist das größte Kompliment, welches ich als Liebhaber der Melancholie geben kann.

Bei Nummer Acht des Albums, „Kein Zurück, wagt sich Loose an einen der berühmtesten Hit der Band Wolfsheim. Man erkennt sofort das Original wieder, jedoch verpasst der Sänger dem Stück seinen komplett eigenen, geerdeten und traurigen Charme. Welche Version einem besser gefällt ist jedoch reine Geschmackssache, ich möchte mich hier selbst nicht festlegen.

Den Closer macht eine besondere Überraschung, „Schwanenkönig“, ich glaube niemand hätte jemals die Band „Karat“ mit dem Namen Holly Loose in Verbindung gebracht. Aber wie Katja Ebstein schon sang, Wunder gibt es immer wieder. Mit Schwanenkönig als Schlusssong hat sich Loose meines Erachtens nach keinen gefallen getan. Es ist gut, keine Frage, es fängt die Stimmung des Albums noch einmal komplett ein und schließt es so wie es angefangen hat, stark. Doch zumindest mir hätte hier ein Song gefallen, welcher aus Looses Feder stammt. Holly ist nicht nur ein großartiger Sänger, sondern auch ein begnadeter Geschichtenschreiber und Erzähler, und ich hätte die Geschichte seines ersten Solo-Albums gerne mit einer seiner abgeschlossen gesehen.

 

Fazit: Das erste Solo-Album begeistert. Zwischen Melancholie und einem wagen Hoffnungsschimmer schwebt die warme Stimme des Sängers auf ruhigen Melodien. Bis auf die Stimme hat das überhaupt nichts mit „Letzte Instanz“ zu tun. Und das ist auch gut so. „Melancholia“ zeigt, dass Loose nicht nur ein genialer Frontmann einer zurecht gefeierten Band ist, sondern auch als Solokünstler viel zu sagen hat. Und was er zu sagen hat ist grandios. Seine Texte sprechen ihm aus dem Herzen, und wahrscheinlich auch vielen Fans. Loose erfüllt mit diesem Album nicht nur einen seiner Herzenswünsche, sondern erschafft ein Werk welches sich in die Herzen vieler spielen wird. Für mich ist „Melancholia“ eines der musikalischen Highlights des Jahres und wird definitiv zum Soundtrack der dunklen Jahreszeit.

Tracklist:

CD1: Melancholia

01. Der Stein
02. Supernova
03. Irgendwann
04. John Maynard
05. Ich War
06. Alle Wasser
07. Leichtigkeit
08. Kein Zurück
09. Muscheln am Strand
10. Unsere Zeit
11. Die Geduld der Sterne
12. Schwanenkönig

Besetzung: Holly Loose


Holly Loose im Web: https://www.holly-loose.com/
Holly Loose auf Facebook: https://www.facebook.com/Loose.Holly/

geschrieben von: Daniel Schneider

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