Paysage D’Hiver „Im Wald“- VÖ: 26/6/20

Im Wald by Paysage D’Hiver, the first new full-length record Swiss black metal legend since 2013 and an epic double album of 120 minutes!

Tracklist:

Im Winterwald
Ueber den Baeumen
Schneeglitzern
Alt
Wurzel
Stimmen im Wald
Flug
Le rêve lucide
Eulengesang
Kaelteschauer
Verweilen
Weiter, immer weiter
So hallt es wider

Discography:
Steineiche (1998)
Schattengang (1998)
Die Festung (1998)
Kerker (1999)
Paysage d’Hiver (1999)
Kristall & Isa     (2000)
Winterkälte (2001)
Schnee / Das Winterreich (Split, 2003)
Paysage d’Hiver / Lunar Aurora (Split, 2004)
Nacht (2004)
Einsamkeit (2007)
Das Tor (2013)
Десь блукає журба (Somewhere Sadness Wanders) / Schnee (IV) (Split, 2017)
Paysage d’Hiver / Nordlicht (Split, 2017)
Das Gletschertor / Das schwarze Metall-Eisen (2020)
Im Wald (2020)

Texte:

Im Winterwald

Wurzelkraft stroemt durch das Holz

Felsiger, karger Boden macht das Holz

Schwarz und grob ist das Holz

In diesem Winterwald

Wunderlich geformt waechst das Holz

Stark und kraeftig strebt das Holz

Verletzlich und respekteinfloessend wacht das Holz

Ueber alles Sein

In diesem Winterwald

Die Urkraft fliesst durch das Holz

Mein stetiger begleiter ist das Holz

Tag und Nacht vereint das Holz

Hin zum Kosmos stirbt das Holz

In diesem Winterwald

Ueber den Baeumen

Ich ziehe meine Spur durch diese Welt

Ueber Felsen, durch das Dickicht

Kaempfe ich mich vorwaerts

Ueber Wurzeln, unter gefallenen Baeumen

Taumle ich weiter

Die Baeume dieser Welt sind schwarz und schwer

Doch hoch, stolz und rein

Wie alles in dieser Welt

Leben, streben und sterben auch sie

Hin zum Firmament

Schneeglitzern

Dieses leise Leuchten

Der unendlichen, kristallinen Formen

Zeigt den Weg

Durch diesen Irrwald

Des Seins

Alt

Wunderlich, wie die Zeit vergeht

Wunderlich, wie die Zeit veraendert

Still und heimlich wirkt sie

Auf dass es reifen mag zu wahrer Groesse

So lohnt es sich zu warten

Und nicht vergebens im Stillen zu harren

Um dann doch endlich in die Hallen einzuziehen

Wie diese Ode an die Zeit

Alt

Das alte Sehen

Das ist das im Kalten

Was seit kristallnen Zeiten

Durch das Auge dieses Waldes

Wirkt

Alt

Stimmen im Wald

In diesem Winterwald sprechen die Baeume

Erzaehlen von alten Zeiten

Von altem Wissen

Von Leid, Schmerz und Schatten

Von Licht, Freud‘ und strebendem Leben

Von Furcht

Von Mut

Und schlafender Kraft

Hoeret, wie sie fluestern und kraechzen

Stoehnen und seufzen

Wimmern und aechzen

Le rêve lucide

La force du rêve:

Agir à l’instant

Par la force de l’hiver:

Reconnaître ce qui est, était et sera

Dans le rêve, former et transformer

Est le début de l’art de la vue pure

De suivre ce chemin

Signifie courage et force

Transformer dans le rêve :

Change la conscience

La conscience :

Relie, laisse voir : Tout est un

Que tout est un :

Relie lumière et ombre

Vers :

Un nouvel infini

Kaelteschauer

Der Weg dieses Schicksals

Durch diesen klirrend Winter

Kalt

Ich fuehle das Hintertal und die Anderswelt

Kalt ist der Schauer

Kein Sehen

Durch diesen Schauer ist man Blind, sieht nichts dieser Welt

Es ist weiss, aber dunkel

Ich sehe nichts

In diesem Schauer

Gefangen im kalten Schauer

Im Nichts, weisses Nichts

Und die Winterwelt ist am trauern

Und ich sehe nichts nur Schnee und Eis

Ich gehe

Der weisse Schauer ist weisses Nichts um mich her

Ich sehe nichts im weissen Chaos

Durch Schnee und Eis und weiss

Und Eis und Schnee und weiss

Und Eis um mich herum

Ich gehe durch diesen weissen Schauer

Nur weiss und Schnee und Eis um mich herum

Durch Eis und Schnee nur weiss um mich herum

Dieser weisse Schauer um mich herum ist nur Eis und Schnee und weiss

Weisses Chaos um mich herum

Alles ist weiss von Schnee und Eis

Durch Eis und Schnee und weiss und Schnee und Eis

Weiter, immer weiter

Ich gehe weiter, weiter, weiter

Ich gehe immer weiter, immer weiter, weiter, weiter

Ich gehe immer weiter

In die Weite Kaelte

Ueber kalten, harten Stein

Oh weh oh weh

In den Schoss des Niederfalls

Immer weiter, immer weiter immer weiter

Ich gehe immer weiter

In den ewig kalten Winter

Ich wandle

Durch diese tausend Jahre

Wenn nicht

Durch Ewigkeit

Weiter, immer weiter, immer weiter, weiter, weiter, weiter

Weiter, immer weiter, weiter, immer weiter

Immer weiter, weiter, weiter, weiter

Ich gehe immer weiter

So hallt es wider

Was ist das doch mit diesem Wald?

So als ich gerufen habe

So hallt er unaufhoerlich wider.

Er wartet seit vielen tausend Jahren

Und widerspiegelt

Ich rufe in den Wald

Und ich schaue den Spiegel des Waldes

Und der Wald der spiegelt mich

So wie ich in die Einoede hineinrufe

So hallt es kalt und einsam wider.

 

Paysage d’Hiver „ImWald“ – Rezension

Das Cover schwarz, kein Name, kein Titel. Zwischen verschneiten Bäumen erkennt man eine bemantelte Person mit Sichelstab davon laufen, nur schwach beleuchtet durch den mit Wolken bedeckten Mond. Es handelt sich um das Cover der neuen CD der Berner Band Paysage d’Hiver „Im Wald“. Hören wir zunächst einmal durch. Der Anfang des ersten Songs greift das Thema des Covers auf. Es ist totenstill und windet. Schritte im Schnee. Man lauscht und wie in einem guten Horrorstreifen setzt erschreckend schlagartig die Musik ein. Melodie geladener Blackmetal mit Doomeinflüssen kommt mir in den Sinn. Ich zapp mal weiter. Es ist totenstill und windet. Schritte im Schnee. Mist falscher Knopf… ein Titel vor. Es ist totenstill und windet. Schritte im Schnee. Ich grüble. Nächster Song. Es ist totenstill und windet. Schritte im Schnee. Sie werden doch nicht… Nächster Titel. Es ist totenstill und windet. Schritte im Schnee. Meine Augen werden zu Schlitzen, ich muss grinsen und denke kurz: „Wenn sie jetzt noch am Ende der Songs…“ und tatsächlich. Jedes Lied endet mit – gut geraten – Es ist totenstill und windet. Schritte im Schnee. Nahtlose Übergänge. Ich bin entzückt!

Endlich mal wieder eine Band, die mich mit auf die Reise nehmen will, auch wenn diese kalt und düster sein wird. Laufen wir mit dem dunklen Wanderer mit.

Der Opener „Im Winterwald“ schlägt brutal ein. Ganz Genre-like krachen die Gitarren, die Double-Base holpert davon und Wintherrs Stimme screamt als käme sie direkt aus der Hölle. In der Mitte setzt das Keyboard ein, das mich an die Anfangstage von Dimmu Borgir erinnert. Für mich persönlich ist die Stimme ein wenig zu schwach abgemischt. Ein paar Dezibel lauter wäre vorteilhaft. Zu jedem Titel wird ein Text mitgeliefert, der zu der Musik lyrisch untermalt. Im Gedicht zu „Im Winterwald“ endet jede Zeile auf „Holz“, was dem Songtext etwas von einem Zauberspruch oder einem Ritual verleiht.

Der beschwerliche Weg des Wanderers wird im zweiten Song „Über den Bäumen“ beschrieben. Doch trotz der Anstrengung fällt ihm auf, dass auf all dem Dickicht das Firmament ruht. Der Song ist wie der erste brachial, wird aber durch schöne melodische Parts der Gitarren zu einem echten Hinhörer.

Dem Wanderer geht ein Licht auf. Das „Schneeglitzern“ führt ihn durch den Irrwald des Seins. Das Lied ist ein atmosphärischer Übergang, der etwas Ruhe in die Brachialität bringt. Mit „Wurzel“, „Flug“, „Eulengesang“ und „Verweilen“ geschieht dies noch vier mal im Laufe der CD. „Alt“ stellt die Brücke des Wanderers zu seiner Vergänglichkeit dar. Er sieht nebst jungen Trieben auch die alten knorrigen Bäume und erkennt, dass er selbst diesen Weg beschreitet. Doch obwohl deren Geäst ächzt, erzählen Sie ihr altes Wissen. Diese Geschichten werden in „Stimmen im Wald“ erzählt und stilistisch mit choralen Aahs und gesprochenem Klagen in der Ferne untermalt.

La reve lucide“ ermutigt das Bewusstsein zu überdenken und wie im Traum die Dinge auch mal etwas anders zu sehen. Um dem Hörer dieses Andersdenken schmackhaft zu machen spielt mit der verzerrten, monotonen Blackmetalmusik eine Geige Tonleiter spielend um die Wette.

Zu dem Titel „Kälteschauer“ wird lyrisch das Chaos, die Kälte und die Unwirtlichkeit der Welt beschrieben, wenn es einen Schneeschauer gibt. Dementsprechend chaotisch ist die Riff folge, die einem immer wieder den Wind und die Schneeflocken von rechts und links um die Ohren haut.

Weiter immer weiter“ ist ein schleppender 2/4-Takt Doomsong, der die Widrigkeit durch hohen Schnee zu stapfen sehr fühlbar untermalt.

So hallt es wider“ beendet die Reise. Der Wandere schaut zurück, sieht sich selbst und sein Leben im Wald widerspiegeln. Die Drums spielen Triolen, die ein Echo imitieren, immer schneller werden und dann verhallen.

Das Resümee dieses düsteren Pfads: Endlich Blackmetal, der nicht nur Satan huldigt, sondern ein Thema aufgreift, musikalisch und lyrisch umsetzt, den düsteren Stempel aufdrückt und sich intensiv damit beschäftigt. Paysage d’Hiver hat ein zwei Stunden Meisterwerk der Blackmetal Szene geschaffen. Ich ziehe meinen Hut. Von Anfang bis Ende ist man gefangen, lauscht und vergisst die Zeit. Man ertappt sich beim grübeln, sinnieren und reflektieren. Man liest die Texte, man hört hier und da etwas Überraschendes, kurzum, es wird nicht langweilig. Da die komplette CD eine Einheit ist, wäre es ein Frevel einen Anspieltipp oder ein Lieblingssong zu ernennen.

Leider ist für mich persönlich die Stimme zu leise abgemischt. Dieser Punktverlust ist aber gerne genommen, denn so kann ich bei meiner Skala bleiben und muss kein albernes Sternchen dazu fügen.

Ich vergebe 10 von 10 vereiste Spitznieten.

geschrieben von Marc Seidler

 

pre-sale:

spkr.lnk.to/paysage-d-hiver-im-wald

Facebook: https://www.facebook.com/PaysagedHiver.Official/

bandcamp:https://paysagedhiver.bandcamp.com/