Lord Of The Lost – Till Death Us Do Part (Ultimate Best Of by the Dark Rock Band from Hamburg)

Es gibt Bands, die ihrer Zeit den Stempel aufdrücken, die mehr sind als ein paar Kumpels mit Instrumenten, denen ein Gesamtkunstwerk gelingt, das den schnelllebigen Konsumwahn überlebt und etwas von Dauer schafft. LORD OF THE LOST sind zweifellos eine dieser Bands – zu tief sind die Spuren, die sie mit ihrer Musik in den Herzen ihrer Hörer hinterlassen haben.

Hamburg war schon immer ein besonderes Pflaster für die internationale Musik. Bands wie The Beatles, Jimmy Hendrix und Black Sabbath spielten sich auf der Bühne des Star Club zum Weltruhm, und der Seewind brachte Sounds aus aller Welt in die Hafenstadt. Eine inspirierende Umgebung für einen St. Paulianer wie Chris Harms, der Lord Of The Lost aus der Taufe hob. Mit einer dunklen, eingängigen Melange aus Rock, Metal und Elektronik entstand Hit auf Hit, hart und heavy, und doch tanzbar. 2009 wurde aus dem Projekt eine Band, und zehn Jahre später ist es an der Zeit, einen Blick zurück zu werfen. „Till Death Us Do Part“ ist eine Zusammenstellung der beliebtesten Lord-Of-The-Lost-Kracher und vereint das Schaffen von 10 Jahren Bandgeschichte, erhältlich auf CD und Doppelvinyl. In der 2-CD Version gibt es eine CD mit Raritäten und B-Seiten dazu, inkl. Gastauftritten von Der Schulz (Unzucht) und Erk Aicrag (Hocico). Für die Schatzsucher gibt es noch die auf 1.000 Einheiten streng limitierte 4-CD Digibox Version mit einer Remix-CD und einer Zusammenstellung aus Demo-Versionen, teilweise über 20 Jahre alt und lange vor der Enstehung der Band geschrieben und aufgenommen. „Diese Aufnahmen zeigen ungeschönt und nackt Vorversionen bekannter Lord Of The Lost-Songs, die ich zum Teil als Teenager unter widrigsten Umständen mit schlechtester Technik aufgenommen habe“, kommentiert Chris Harms. „Ich habe lange überlegt, ob ich das preisgeben soll, aber ich habe mich letztendlich dafür entschieden, da ich einen Einblick dieser Art als Fan von Bands, die ich liebe, extrem schätzen und respektieren würde.“

Lord of the Lost – Till Death Us Do Part – Rezension

Bereits 10 Jahre gibt es die Band um das musikalische Multitalent Chris Harms. Und zu ihrem 10. Geburtstag haben Lord of the Lost sich selbst und ihren Fans ein großartiges Geschenk gemacht. „Till Death Us Do Part“ ist eine Best-of-Sammlung, die man in verschiedenen Varianten bekommen kann. Dem geneigten Fan kann ich aber besonders zur 4-Disc Variante raten.

Dieses Paket enthält nicht nur 19 Meisterwerke aus jeder Entwicklungsphase der Band, wie etwa „Six Feet Underground“, „La Bomba“, „Die Tomorrow“ oder das wunderbar traurige „See You Soon“, sondern man kann auch die Entwicklung einiger Songs von der Demo bis zur tatsächlichen Veröffentlichung verfolgen.

Das Titelstück „Till Death Us Do Part“ etwa hat von der Demo, die es bereits 2008 gab, bis jetzt eine deutliche Veränderung erfahren. Es ist nun mehr Druck dahinter, die Stimme ausgeprägter, so dass Chris‘ warme samtige Stimme dem Song seinen schönen Tiefgang verleiht. Es ist ein ordentlicher Dark-Rock-Song geworden, der das ganze Spektrum der Musik von Lord of the Lost in den vergangenen 10 Jahren widerspiegelt.

Einen wunderschönen melodischen Einstieg hat „Morgana“. Bis zum Refrain gefällt mir das Lied wirklich gut. Mit dem Geschrei, welches dann folgt kann ich persönlich allerdings nicht so besonders viel anfangen. Es macht das sonst so schöne Lied irgendwie anstrengend. Dieser Stil ist jedoch markant für den musikalischen Pfad, den Lord of the Lost seit dem Album „Empyrean“ einschlugen. Entweder man mag ihn, oder man mag ihn nicht, heißt es da wohl.

Bei „Raining Stars“ kann man sich aussuchen welche Variante man sich anhören möchte. Das Original, welches sofort in die Beine geht, oder den Remix von Solar Fake, der mit elektronischen Elementen dem Song ein neues Kleid verpasst. Die Handschrift von Sven Friedrich ist dort unverkennbar. Aber nicht nur Herr Friedrich hat sich die Ehre gegeben und einen Song in ein anderes Gewand gekleidet, auch Unzucht, Chrom, Blutengel, Staubkind und viele mehr haben sich zu Ehren des Jubiläums von Lord of the Lost an die Regler gesetzt.

Full Metal Whore“ hat, wie der Name schon sagt, fast alle Facetten des Metal einmal ran gelassen. Vom schönsten Blackmetal-Gegrunze, bis Symphonic Metal ist alles in diesem Song vorhanden, sogar ein wenig Sprechgesang hat sich hier eingefunden. Der Stilmix ist etwas gewöhnungsbedürftig, Spaß macht das Lied aber trotzdem.

Fast schon ein wenig poppig und sehr eingängig ist „Dry the Rain“. Zumindest bis zur Hälfte, wenn Herr Harms sich wieder seiner anderen stimmlichen Facetten bedient. Da hat der Song dann seine Radiotauglichkeit eingebüßt. Mir gefällt er sehr gut und er wird mich wohl in den kommenden regnerischen Herbst begleiten. Von „Dry the Rain“ gibt es noch 3 weitere Remixe, wobei mir die orchestrale Version am besten gefällt. Sie gibt dem Song ein völlig anderes Gesicht und kommt fast komplett ohne Gesang aus. So aufgemacht ist es wirklich ein Stück um sich fallen zu lassen.

Wer es insgesamt etwas ruhiger mag, dem sei „Beyond Beautiful“ ans Herz gelegt. In dieser wunderschönen Ballade glaubt man sofort, dass Chris lieber lieben als hassen würde, doch einfach nicht anders kann als sich selbst damit zu verletzen, anderen weh zu tun. Seine Stimme und das Piano bilden eine wundervolle Harmonie und man möchte nichts mehr, als ihn zu retten.

Um die Traurigkeit zu vertreiben ist „Die Tomorrow“ genau das Richtige. Der Song geht direkt in die Beine und man kann sich der Aufforderung zu tanzen, als gäbe es kein Morgen absolut nicht entziehen.

Der Anfang von „Blood for Blood“ erinnert etwas an ein altes Computerspiel bevor es melodiöser wird. Es ist gewohnt eingängig und auch hier habe ich mich wieder beim Mitwackeln erwischt. Wer dieses Lied aber einmal völlig anders wahrnehmen möchte, der sollte sich die Version „Ein Walzer für Klarinette und Piano“ anhören. Es ist wie ein komplett anderes Stück und hat eine ganz neue Tragweite. Da sollte man unbedingt mal ein Ohr riskieren.

Wenn es einem dann wieder reicht mit der guten Laune ist „See You Soon“ genau das Richtige. Glockenklänge, die eine Beerdigung einläuten, Abschiedsworte die unter die Haut gehen, dazu Chris tiefe Stimme. Wundervoll traurig und ein bittersüßer Abschied, der einem das Herz bricht. Ich könnte diesen Song immer wieder anhören…

Den Abschluss der Best of bildet „Break your Heart“. Nach einem sehr ruhigen Einstieg steigert es sich langsam, bleibt aber ein verhältnismäßig ruhiges Lied. Und so findet dieser Querschnitt aus den Werken der letzten 10 Jahren mit gebrochenem Herzen sein Ende.

Wer nach all den musikalischen Leckerbissen immer noch nicht genug hat, kann natürlich auch noch in die Sammlung einiger Raritäten eintauchen. 18 seltene Stücke befinden sich in der 4-CD-Ausgabe, vom rockigen „Death Doesn’t Kill You But I Do“ bis zum ruhigen “Words Of Sadness“. Einen fast Country artigen Einschlag hat „One Day Everything Will Be Ok“. Etwas ungewöhnlich, aber durchaus ein Song, den man sich genauer anhören sollte. Es gibt also zum feierlichen Anlass mehrere Stunden ordentlich Musik auf die Ohren. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.

geschrieben von Antje Heine

Facebook: https://www.facebook.com/lordofthelost/

Website: www.lordofthelost.de

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