Konzertberichte

 

 

 

 

 

 

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Covenant / Faderhead – Musikzentrum Hannover 11.11.2016

Als ich mich an diesem wirklich trüben Freitagnachmittag auf den Weg nach Hannover mache, überkommt mich fast eine fiese Herbstdepression. Du fährst über Land und erkennst im Nebel kein Baum und keinen Strauch. Als wenn das eine Vorahnung auf den kommenden Abend sein würde, der sich später als die „Nebelschlacht von Hannover“ in mein Gedächtnis brennen soll.

Covenant haben es diesmal wirklich eilig. Pünktlich zum Albumrelease von „The Blinding Dark“ am 03.11.2016 sind die smarten Jungs um Eskil Simonson bereits auf Tour, um das Album zu promoten. Da ich an die letzten Auftritte von Covenant, die ich gesehen hatte – sinnigerweise auch in Hannover – überhaupt keine guten Erinnerungen hatte, bin ich nur durch die wirklich überwältigende Platte animiert, den Weg anzutreten. Eskil war damals dem Alkohol auch auf der Bühne wahrlich nicht abgeneigt, ebenso wie Joakim Montelius, der damals noch zum Live-Line Up gehörte. Einzig Daniel Myer hatte damals den Abend noch irgendwie retten können. Keine guten Voraussetzungen, um sich jetzt auf den Abend zu freuen. Joakim nicht mehr dabei, Daniel nicht mehr dabei, nur noch Eskil, der in mir im Vorwege durch sein verändertes Aussehen einige Fragen aufkommen ließ.

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Pünktliches Kommen sichert die besten Plätze. So hatte ich für mich in dem kleinen beschaulichen Musikzentrum den für mich wohl perfektesten Platz des Abend bekommen, wie sich später heraus stellen sollte.

Eröffnet wurde der Abend von ISZOLOSCOPE, einem kanadischen Rhythm ‘n‘ Noise Projekt. Und der startet ein Bombardement aus Beats und Effekten, der mich erst mal erschrecken ließ. Nach zwei oder drei Tracks hab ich dann auch Gefallen dran gefunden. Nur habe ich mir Sorgen gemacht, ob der Junge an den Reglern vielleicht einen orthopädischen Schaden nehmen könnte. Zeitweise hatte ich auch Angst, er würde beim Headbangen mit dem Kopf auf seinen Mischer knallen. Aber er hatte Erfolg. Das Publikum ist sehr positiv auf die Performance eingestiegen, so dass er dann tatsächlich noch für eine Zugabe zurück auf die Bühne durfte.

Nach kurzer Umbaupause kam dann Faderhead auf die Bühne. Moment, waren das nicht auf der Bühne immer drei oder vier Musiker? Dieses Mal trat Sami Mark Yahya in einer abgespeckten Besetzung auf und wurde nur durch einen Jungen an den Reglern begleitet. Ich hatte mich bisher nie ernsthaft mit Faderhead beschäftigt und bin so schon sehr positiv unterhalten worden. Die Setlist hatte Sami bewusst mit ruhigeren FH-Stücken und einigen Perlen gespickt, was nicht nur mir gefallen hat. Das Set war amtlich und für meinen Geschmack ein bisschen zu kurz.

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Nachdem Faderhead die Bühne verlassen hatte und das Feld für Covenant bestellt war, dachte ich, dass dem Lichtmischer vielleicht etwas passiert sein muss. So viel Nebel, wie im Vorfeld in die Halle gepumpt wurde, war schon fast nicht mehr vertretbar. Jeder Asthmatiker hätte seine Freude gehabt. Und als zum Intro Keyboarder Daniel Jonasson auf die Bühne kam, konnte man ihn fast nur erahnen. So ist mir auch anfangs fast entgangen, wer da mit auf die Bühne gekommen war. Daniel Myer (Haujobb, Destroid, Cleaner) war wieder dabei. Ein Anblick, der mein Herz ein Stück höher hüpfen ließ. Das Covenant dann den Abend mit „Der Leiermann“ eröffnen, hatte mich im ersten Moment etwas überrascht. Aber es scheint ja heute in Mode zu sein, dass aktuelle Platten erst im Laufe der Setlist eingebettet werden. Der Sound war an meinem Platz verdammt gut, so dass ich auf die obligatorischen Ohrschützer verzichten konnte und mich so auf jeden einzelnen Ton freuen konnte. Mittlerweile hatte sich mein Platz an der Bühne so verlagert, dass ich genau mittig vor Eskil stand, der auch, wenn er direkt vor einem stand, nicht wirklich gut aussah. Sein Gesicht wirkte aufgedunsen und wie meine Nachbarin bemerkte, zierte nicht eine Augenbraue oder Wimper sein Gesicht. Was war mit dem Mann also geschehen, der früher durch seine androgyne Art immer ein wenig wie die Wiedergeburt von Bowie in den besten Jahren wirkte.

Stimmlich war Eskil aber, wie ich finde, sehr gut drauf. Er hielt lange Passagen ohne einzuknicken, und auch die üblichen Texthänger waren erstaunlich gering. Er war den ganzen Abend in Bewegung, und es schien, als wenn Covenant live zu neuen Ufern aufgebrochen waren. Es war eine Einheit auf der Bühne. Eskil wurde des Öfteren von Daniel Jonasson am Mikro unterstützt und kurz vor dem Finale räumte Eskil sogar den Platz am Mikro, damit Daniel Myer mit dem Publikum zusammen „Lightbringer“ abfeiern konnte. Die Setlist war gespickt mit Perlen von früher („Go Film“, „Stalker“) und, wie ich finde, den besten Tracks vom neuen Album.

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Der Lichtmann hatte sich zwar an der Nebelmaschine nicht wieder eingekriegt, hatte aber zusammen mit den im Bühnenhintergrund stehenden Lichtbatterien eine apokalyptische Stimmung erzeugt, in der Eskil mit seinem kahlen Kopf fast schon alienhaft wirkte. Es passte alles zusammen an diesem Abend und ich war schon fast dazu verführt, mich am Folgeabend zum Konzert in Hamburg aufzumachen. Schön zu sehen, dass – zumindest von der Publikumsseite aus zu sehen – bei Covenant alles wieder im Lot zu sein scheint. Tolle Platte, tolle Show – weiter so.

  • Death of identity + fulwell (Intro)
  • Der Leiermann
  • Bullet
  • I close my eyes
  • Morning star
  • Cold reading
  • Figurehead
  • Edge of dawn
  • The beauty and the grace
  • Go film
  • The man
  • 20hz
  • Ignorance and bliss
  • Stalker
  • Lightbringer (Daniel Myer)
  • Ritual noise
  • Dies irae (Encore)
  • Sound mirrors (Encore)

  • Call the ships to port (Encore)

  • Prometheus (Encore)

  • Dead stars (Encore)

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geschrieben und fotografiert von Alf Urbschat

 

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The Mission – Markthalle Hamburg  21.10.2016

Ich muss zugeben, ich war jetzt doch überrascht, wie voll ich die Hamburger Markthalle an diesem Freitagabend vorgefunden habe. The Mission ziehen immer noch die Leute an, auch wenn das Durchschnittsalter langsam ansteigt, wie bei vielen anderen Bands meines Interesses auch. Kann ja auch mit meinem fortschreitenden Alter zusammenhängen:-)

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Anyway, die Markthalle war schon sehr früh sehr gut gefüllt, so dass die Vorband „The Awakening“ ein breites Publikum zu beschallen hatte. Und das haben sie wirklich gut gemacht. Der Frontmann war für mich von der Stimme her sehr an Vile Valo (HIM) angelehnt. Die Bühne extrem düster und in Nebel gehüllt, drückten sie ihren Gothrock sehr kraftvoll in die Ohren. Die Show war recht unterhaltsam, und so wurden die fünf auch nicht nur mit mäßigem Applaus belohnt. Leider war für ihren acht Alben umfassenden Backkatalog das Set viel zu kurz. Ich hätte gern noch mehr von ihnen gesehen und gehört.

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Pünktlich wie ein Uhrwerk war dann um 21.00Uhr die Bühne frei für The Mission. Nach einem langen klassischen Intro kam die Band dann auf die Bühne, um den Abend mit „Beyond The Pale“ zu eröffnen. Wayne Hussey, in khakifarbener Militärjacke mit Sonnenbrille, sah verdammt gut aus und schien mir auch sehr gut drauf gewesen zu sein. Er interagierte mit seinen Bandkollegen und hielt auch sehr viel Blickkontakt zum Publikum. Meinen Respekt dafür, dass er auch einige Fans namentlich begrüßt hat. Passiert mit Sicherheit auch nicht so häufig. Aber er ist ein wirklich sympathischer Kerl, der sich und seinem Publikum einen tollen Abend bescheren sollte.

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Musikalisch gingen The Mission auf eine Zeitreise durch mittlerweile dreißig Jahre Bandgeschichte. Es fehlte für mich fast nichts in der gut gemischten Setlist. Das neue Album „Another Fall From Grace“ stand nicht so im Mittelpunkt an diesem Abend. Erst als vierter Song wurde mit „Tyranny Of Secrets“ das erste aktuelle Stück in die Setlist geworfen.

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Bereits als zwölftes Stück spielten The Mission mit „Wasteland“ eines ihrer wohl bekanntesten Stücke. Und Hamburg feiert. Mit Konfettiregen und ausgestreckten Armen fühlte sich wohl jeder im Saal an frühere bessere Zeiten erinnert. Eine Reaktion, die ich so nicht erwartet hatte. Direkt danach verabschiedeten sich Wayne Hussey und seine Band dann bereits von der Bühne. Für mich deutlich zu früh. Okay, zu dem Zeitpunkt habe ich nicht damit gerechnet, dass sie für ganze acht (!) Zugaben nochmal zurückkommen würden. Der Höhepunkt war dann natürlich „Deliverance“ welches noch lange, als die Band schon von der Bühne ging, skandiert wurde.

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Es war eine Zeitreise, in der fast jeder im Saal seine eigenen Erinnerungen wieder aufleben ließ. The Mission haben Hamburg gerockt bis das Wasser von der Decke tropfte, und für mich war es ein Genuss zu sehen, wie viel Spielfreude die Band auf die Bühne gebracht hat.

geschrieben und fotografiert von Alf Urbschat