Interview mit Florian Grey

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KKM: Am 18.05.2018 kommt dein nächstes Album „Ritus“ in den Handel. Wie kam es dazu, dass du dich für ein so rockiges Album entschieden hast?

Es war eher ein Prozess. Man sollte sich nicht wiederholen und da „Gone“ sehr schwer und traurig daher kam, mache ich hier genau das Gegenteil ohne jedoch meinen roten Faden zu verlieren. Das ist die Platte, die ich immer machen wollte und meine Jungs/Team und ich genießen es voll und ganz den Vorteil der Genrefreiheit zu besitzen. Was immer ich mag, mache ich und muss niemandem Rechenschaft ablegen.

KKM: Warum sollte man sich dieses Album unbedingt kaufen?

Weil es echt ist.

KKM: Ich persönlich habe mich riesig über „Bereft“ und „Glimmer“ gefreut, ist das eine Hommage an deine musikalischen Wurzeln? Klingt so herrlich oldschool und ein bisschen melancholisch,-)

Ich mag sie auch sehr. In „Bereft“ geht es um eine gute Freundin, die ich 2015 verloren habe. Sie war ein riesiger 80ies old school Glam/Gothic Rock Fan.

Glimmer wiederum kann man als das Verbindungsstück zu „Gone“ sehen, da hier wieder der Song und die Musik im Vordergrund stehen und es sehr hart und nahe an der Wirklichkeit stattfindet.

Funfact: Mein Gesangsschüler spricht Lines im Song und singt die Kindersopranstimme über meine in den Refrains.

KKM: Wie lange hast du an der Fertigstellung gearbeitet? Wo wurde die CD aufgenommen und produziert?

Eigentlich sollten wir schon ein Jahr früher fertig sein, aber zwei Operationen nach längerer Krankheit haben mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im Endeffekt war es aber auch gut, sich drei Jahre Zeit zu lassen. Ansonsten wäre „RITUS“ nicht so wie es jetzt ist und es macht die Leute und mich am Ende noch heißer auf Neues.

Concorde wurde das Album im Widenoise Studio in Oeventrop und von Hilton Theissen, der auch Dark Millenium, Seadrake oder Akanoid produziert. Er ist ein Meister darin Pop, 80ies Sounds und Metal zu mischen und es war eine großartige Zusammenarbeit, da wir auf einer Wellenlänge liegen und genau das Gleiche wollten. Ein stille, empathische Verbindung sozusagen.

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KKM: Wurdest du bei der Produktion von jemandem hinter den Reglern unterstützt, oder lag alles allein in deinen Händen?

Wie gesagt, eben Hilton Theissen als Produzent und Co-Schreiber der Musik. Die Zusammenarbeit war großartig, sodass noch ein paar Songs dazu kamen. Außer ihm habe ich zusammen mit Fede, der Gitarre bei Hell Boulevard und bei mir spielt, Matteo Vdiva Fabbiani, Sänger von Hell Boulevard und großartiger Songschreiber, Anfang Oktober 2017 ein viertägiges Songwriting-Bootcamp gemacht, bei dem direkt sechs Songs entstanden, die allesamt auf „RITUS“ gelandet sind. Die Lyrics und Gesangsbögen habe ich danach und zurückgezogen auf Sylt in zwei Wochen geschrieben.

KKM: Die Verbindung unterschiedlicher Genres der Rock- und elektronischen Tanzmusik als eines der Hauptmerkmale von dir sind nicht von der Hand zu weisen. In welchem fühlst du dich am wohlsten?

Überall – und dort wo es mich noch hin verschlägt. Im Moment fühle ich mich im Rock/Alternativ/Dark Rock sehr wohl. Im Grunde sind alle Grenzen offen und schreien danach miteinander verknüpft zu werden, um ein Stück lang Hand in Hand zu gehen.

Man sollte sich nicht immer selbst eingrenzen oder einschränken und zum Beispiel nur auf Nummer sicher gehen, damit es sich verkauft…

Man muss als Musiker ,wie im echten Leben auch, bereit sein Neues zu wagen und nicht immer einem neuen Trend folgen. Sei wach, öffne deine Augen, schaue dich um und sei ein Teil deiner Umwelt. Der Rest kommt von selbst.

KKM: Was war für dich überhaupt damals das Schlüsselerlebnis selbst Musik machen zu wollen?

Als Kind konnte ich mich oftmals nur so ausdrücken, da ich stark an einer Synapsenfehlschaltung namens ADHS litt, die lange unentdeckt blieb. Ich habe viele Soundtracks gehört und fand da fehlt doch Text und Gesang, also habe ich angefangen darauf zu singen, nur für mich. Das beruhigte mich und ich hatte meine eigene Welt.

Ich bemerkte das mein Gesang anderen ebenso gefällt und so entwickelte sich das immer mehr, ein echtes Schlüsselergebnis gab es so nicht.

Wenn ich also mal auf der Bühne weit weg wirke, liegt das daran, dass ich diesen Moment genieße und wieder in meiner Blase bin. Das Schreiben hilft mir Dinge und mich auszudrücken.

KKM: Kannst du deine Visionen mit anderen teilen oder verwirklichen?

Ich denke mal Du sprichst von meiner Band und Team. Ja es ist momentan sehr entspannt und spannend zu gleich, im positiven. Alle haben Bock, sind heiß darauf zu spielen und wir verstehen uns bestens.

KKM: Steht auch wieder eine Tour an? Und bist du aufgeregt oder siehst du dem Ganzen gelassen entgegen?

Wir sind dabei, das klingt jetzt abgedroschen, aber da ich bei einer großen Bookingagentur bin, möchte ich am liebsten natürlich mehr Leute erreichen und irgendwo als Support oder Guest aufspringen. Leider ist die Düsterbranche eine Vetternwirtschaft und nicht einfach…

Wir arbeiten wirklich dran, weil wir immer Lust haben zu spielen, wenn alle Konditionen klar gehen. ;)

KKM: Wie kann man sich einen Florian Grey Auftritt vorstellen? Was geht bei dir so auf der Bühne ab?

Ich kann das immer schwer beschreiben, da ich ja nicht selbst im Publikum stehe. Da musst Du Konzertbesucher fragen. Ich glaube aber sie würden Dir sagen dass es gefühlvoll, emotional, spannend und mitreißend war.

Was bei uns auf der Bühne abgeht sind wir selbst. Wir tragen keine Masken und sind zu 90% so, wie wir auch privat sind. Natürlich ist uns das eben sehr heilig, aber auf der Bühne gehen wir offen miteinander um, albern herum oder feuern uns gegenseitig an. Wir haben einen tollen Vibe innerhalb der Band.

KKM: Wenn man sich vergangene Tourneen von dir ansieht, welche davon hat dir am besten gefallen und warum?

Mir gefallen und eigentlich alle, bis auf einen Gig in einer Location in München, in der wir wirklich schlecht behandelt wurden. Diese ist jetzt geschlossen… Karma? Ich weiß es nicht. Meine Jungs und ich lieben es zu spielen und unterwegs zu sein. Wie schon gesagt, wir haben immer Lust und wären gerne ein noch größerer und häufigerer, fahrender Zirkus.

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KKM: Hat sich die Situation in Deutschland auftreten zu können denn für dich verbessert?

Sagen wir es so, es ist für alle Bands Heute schwierig. Woran es liegt kann man sinnieren bis der graue Bart zum Boden hängt oder einfach die Stiefel enger schnallen und weiterlaufen. Ich mache letzteres und schaue nach vorn und hoffe immer etwas mehr Leute zu erreichen und sage ihnen das es an ihnen liegt, denn sie haben den Zündschlüssel zu unserem Vehikel.

KKM: Wie schaffst du es die nötige Balance zwischen Nähe und Distanz zu deinen Fans zu finden?

Sei einfach Du selbst und verstelle dich nicht.

Menschen merken das sofort. Es gibt aber auch immer Grenzen und ich hatte bisher nur einmal die Situation, dass mich jemand am Arm gepackt hat um mich gewaltsam vorzustellen. Selten muss man verbal deutlich werden, aber niemand hat das Recht einen anderen Menschen zu bedrängen oder zu etwas zu zwingen. Wenn ich so was sehe, auch bei anderen, bekomme ich sofort einen Hals.

Ansonsten freuen wir uns immer, mit unseren Anhängern oder Gästen zu reden und uns auszutauschen. Das ist uns sehr wichtig.

KKM: Was war das schönste oder ausgefallenste Fan-Geschenk?

Ich habe das Glück schon wirklich ein paar Geschenke erhalten zu haben, finde sie alle toll und freue mich immer sehr. Seien es Shirts, Torten, Bilder, Alben, Figuren oder Gläser. Ich behalte alles und bewahre die Sachen in einem eigens dafür eingerichteten Regal auf.

Ich stehe total auf selbstgemachte Dinge, keine Teuren und Großen, eben die Kleinigkeiten fangen mich immer ein.

KKM: Was war das Peinlichste das dir je passiert ist?

Jemanden zu verletzen und danach nicht die Balls zu haben sich zu entschuldigen.

Das und als Kind mit Magen-Darm-Grippe und meiner Mom auf einem Autozug ohne Toilette eingesperrt zu sein…

KKM: Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Ein paar Bücher, reichlich Sunblocker, einen Solarzellenakku und meinen Laptop.

KKM: Ich bedanke mich bei dir für das Interview und wünsche dir den „Bombenerfolg“ für die Scheibe, den sie verdient hat:-)

Die letzten Worte in diesem Interview überlasse ich dir…

Here´s to the Were – We out here

Danke und Auf Wiedersehen

geschrieben von Claudia Tomaszewski

Facebook: https://www.facebook.com/floriangreyofficial/

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