Interview mit Coma Alliance

Die neueste Scheibe „Weapon of Choice“ bietet Fans der elektronischen Musik ein abwechslungsreiches Spektrum an neuen Songs, die nicht nur an „schwierigen Tagen“ zum Abtauchen, Träumen und Nachdenken einladen. Synthetisch harte Klänge variieren mit atmosphärischen und ruhigen Sounds – der Stil bleibt dabei unverwechselbar. Und weil uns das so gefällt, haben wir nun ein kleines aber feines Interview geführt, das gleich im Anschluss zu lesen steht;-)

KKM:Warum Coma Alliance? Und warum in englisch?

Mir geistert immer das Wort Koma im Kopf herum und ich muss unweigerlich an „Amok“ denken;-)

twn: Coma steht einerseits für einen Zustand der eigenen Ohnmacht angesichts vieler gesellschaftlicher, medialer und politischer Geschehnisse, also auch für eine Art von Lethargie, andererseits für ein Bedürfnis nach völliger Ruhe und Abgeschiedenheit, nach Abkehr von der schnelllebigen Welt, bei der keiner mehr mitkommt. Die Alliance sind wir. Und jede Person die sich angesprochen fühlt.

a.h.: Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, ist es dieses Wort, was für mich meinen eigenen Zustand als Akteur und Beobachter am besten beschreibt. Warum Englisch? Bauchentscheidung – für den Moment – nicht konzeptionell.

KKM: Ist die Single „Royd“ und ihre Grundstimmung repräsentativ für das komplette Album, oder werden uns da noch Überraschungen erwarten?

twn: Nein, kein Track ist repräsentativ für das ganze Album. ich denke, man spürt die Experimentierfreude und Findungsphase der ersten Tage und hat es mit einer durchaus überraschenden klanglichen Vielseitigkeit zu tun.

a.h.: Wir wollten auch keinen Repräsentanten wählen, sondern einen Song, der neugierig macht und ein erstes Türchen in die Coma Alliance Welt öffnet. Es war uns wichtig am Ende ein Album zu haben, das viele Farben hat.

KKM: Wird es eine weitere Singleauskopplung geben?

twn: Das müssen wir noch miteinander ausfechten.

a.h. Ich fürchte, dass die Tour jetzt erstmal unseren ganzen Fokus genießt, aber wer weiß …

KKM: Ich persönlich habe mich riesig über „Finsta“ und „DarkVibes“ gefreut. Für mich klingt jedes für sich wie eine Hommage an die jeweiligen musikalischen Wurzeln.

twn: Du sprichst hier einen Punkt an, mit dem wir uns öfter konfrontiert sehen. Unterschiede und parallelen zwischen Coma Alliance und den jeweiligen Hauptbands. 

a.h.: Es war zudem auch nie unser Ziel unsere künstlerische Vergangenheit für Coma Alliance hinter uns zu lassen. Wir wollten Welten verbinden und Neues zulassen. Natürlich entstehen da auch Momente, in denen man sich erinnert fühlt, aber es gibt eben auch ganz neue Facetten. Entstanden ist etwas, das nur existieren kann, weil wir es gemeinsam erschaffen haben.

KKM: Im Laufe euer Karriere habt ihr euch mit ungemein vielen Themen, Ideen, Konzepten und Geschichten auseinander gesetzt.
Interessieren euch diese Themen auch heute noch ausnahmslos, oder gibt es Gebiete, die die früher einmal die Grundlage für einen Song gewesen sind, euch aber mittlerweile nicht mehr beschäftigen?

twn: So wie im echten Leben kommen immer wieder neue Themen, Ideen, Einflüsse und Inspirationen auf, andere treten in den Hintergrund. die roten Fäden, die alles zusammenhalten, sind weniger konkreten Inhalten zuzurechnen, sondern spielen sich eher auf der Gefühlsebene ab.

a.h.: Der Ursprung des Songs mag über die Jahre im Einzelfall seine Relevanz verlieren, aber das, was es mit mir emotional gemacht hat, nicht. Insofern bleibt für mich eine Art von emotionaler Nachvollziehbarkeit immer vorhanden.

KKM: Wie entsteht überhaupt ein Song bei Euch? Gibt es eine Person, die die Songs schreibt oder entstehen die Songs im gemeinsamen Zusammenspiel?

twn: Unabhängig davon, aus welcher Studiowelt die Ansätze der Songs stammen, durch das Zusammenspiel und den Austausch ergänzen sie sich zu dem was sie sind. 

a.h.: Fest geregelte Herangehensweisen und genaue Verteilungen von Aufgaben beim Schreiben waren für mich immer genau das Gegenteil von kreativem Arbeiten. Jeder Song braucht seinen eigenen Anfang, seine ganz eigene Geschichte. 

KKM: Habt Ihr selber das Gefühl, dass ihr mit dem Album Eure eigenen musikalischen Grenzen neu definiert und überschritten habt?

twn: Neu definiert ja, überschritten nein.

 a.h.: Ich weiß auch gar nicht so genau, wie man seine Grenzen überschreiten kann. Dafür müsste man seine Grenzen definieren und ich glaube, dass schon das jedem wirklich Kreativen widerstreben würde.

KKM: Gibt es einen Song auf dem Album, der euch besonders am Herzen liegt? Wenn ja, welcher und warum?

twn: Ich kann keinen einzelnen Song herauspicken und auf ein gesondertes Tablett stellen, möchte ich auch nicht.

a.h.: Ich auch nicht. Irgendwie habe ich auch gar nicht das Bedürfnis einen benennen zu können. Das Album ist für mich eine wunderbare Einheit geworden. Einen Song hervorzuheben würde für mich eher etwas kaputt machen.

KKM: Könnt ihr euch selbst in 3 Worten beschreiben?

twn: Nein.

a.h.: Nein.

KKM: Nennt mir drei gute Gründe, warum man dieses Album unbedingt kaufen sollte.

twn: Von unbedingt kann keine Rede sein, aber es ist sinnvoll, sich dieses Album zu kaufen, wenn man sich an der Musik erfreuen und den Künstlern eine Wertschätzung entgegenbringen möchte. 

a.h.: Einer reicht: Man darf nie vergessen, dass wir unsere Musik auf diese Art und Weise nur teilen können, solange es Menschen gibt, die uns unterstützen.  

KKM : Zum Schluss dann noch das obligatorische “Du musst den Satz vervollständigen”-Spiel: Ein Satz beginnt mit den Worten ”Wenn ich drei Wünsche frei hätte…“. Wie beendest du ihn?

twn: … müsste ich meine Weltanschauung drastisch überdenken.

a.h.: … würde ich sehr lange nachdenken, bevor ich mich festlege. 

KKM: Ein Satz beginnt mit den Worten ” Musik ist…“. Wie beendest Du ihn?

twn: … das Kleine, Nichtige, Große und Ganze.

a.h.: … mein emotionaler Filter und die Wiederherstellung meines Gleichgewichts. 

KKM: Der Sinn des Lebens ist … …

twn: … eine unplausible Vorstellung.

a.h.: … etwas, an das wir uns klammern, um nicht anerkennen zu müssen, dass es keinen gibt.

KKM: Wenn dieses Interview endlich vorbei ist, werde ich folgendes tun…

twn: … noch ein bisschen über die drei Wünsche nachdenken.

a.h.: … in den Kamin starren.

Vielen Dank für eure Zeit,das Interview und natürlich für die Musik:-) Ich muss dringend wieder einmal kommen und live dabei sein!!!

Die letzten Worte in diesem Interview überlasse ich euch…

 a.h.: Join the alliance.

Alles Gute für die Zukunft!

Coma Alliance on tour: (Special guest: In strict confidence)

11.01.2019 Oberhausen, Kulttempel
12.01.2019 Hamburg, Markthalle
17.01.2019 Frankfurt, Batschkapp
18.01.2019 Stuttgart, im Wizemann
19.01.2019 München, Backstage
25.01.2019 Berlin, Huxleys Neue Welt
26.01.2019 Dresden, Reithalle
15.02.2019 St. Petersburg (RUS), Aurora Concert Hall *
16.02.2019 Moskau (RUS), Club Theater *

* ohne In strict confidence

www.instagram.com/comaalliance
www.facebook.com/comaalliance
www.accession-records.de
www.diaryofdreams.de/shop


geschrieben von Claudia Tomaszewski

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.