Interview mit Amandas Nadel

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KKM : Bitte stell dich doch einmal mit eigenen Worten vor. Wie, wann und wo kam es zur Gründung von Amandas Nadel. Und wer genau verbirgt sich hinter dem Namen?

Eine Gute Frage! Erstmal ist es vielleicht gut zu erklären, dass „Amandas Nadel“ kein Bandname im herkömmlichen Sinn ist, sondern der Name den ich für mich gewählt habe meine Musik nach außen zu tragen. Vergleichbar mit „Farin Urlaub“. Ich bin der Amandas – Amandas Nadel. Ich habe diesen Namen aus mehreren Gründen gewählt. Der wichtigste daran ist, dass ich Transgender bin. Ich betrachte mich als Mann und als Frau oder keines von beidem. Der psychologische Terminus dafür lautet Non-Binary. :-D Ich bin jahrzehntelang vor dieser meiner eigenen Wahrheit davongelaufen und habe damit gehadert und gekämpft bis ich nicht mehr wollte und nur mehr zu mir selbst stehen konnte. Es ging nicht mehr. Diese innere Entwicklung zu einer völlig neu geborenen Person in mir hat dazu geführt, dass ich einen Namen für mich brauchte, der sich richtig anfühlte und der beide Wesenskerne meiner Person anspricht. Da ich den Namen Amanda immer sehr mochte – auch aufgrund seiner Bedeutung – habe ich kurzerhand ein S hinten dran gemacht und aus mir einen Amandas gemacht. Die Nadel hat für mich seit langem etwas faszinierendes. Man kann damit so viel tun. Nähen, Tätowieren … die chinesischen Meister können damit heilen oder sogar töten. Ziemlich mächtig für ein so unterschätztes Objekt, wie die Nadel. Und nein: Es ist nicht die „Nadel der Amanda“. Es ist mein Name. :-)

KKM: Gibt es so etwas, wie eine grundsätzliche Idee, die sich hinter Amandas Nadel verbirgt?

Ich denke diese Frage in der letzten bereits beantwortet zu haben, aber ich möchte hier natürlich noch auf die anderen Details eingehen. Ich hab an meinem Material bereits 2008 zu arbeiten begonnen. Erst 2011, nachdem ich meine ehemalige Band „Aliz & The Cheshire Cat“ aufgelöst habe, habe ich für mein deutsches Soloprojekt eine Band zusammengestellt. Ich bin sehr glücklich, denn ich habe mit Thomas Pfaller (Bass), Max Haas (Drums), Betti Stewart (Backing Vocals) und Florian Kordik (Technik & Produktion) das für mich perfekte Team gefunden. Wir haben jede Menge Spaß zusammen und sind ein verrückter Haufen und ich verbürge mich für jeden einzelnen von Ihnen. Menschen mit viel Herz und Leidenschaft und ich bin sehr dankbar mit Ihnen zusammenarbeiten zu dürfen und mit Ihnen gemeinsam an meiner Vision zu bauen.

KKM: Wie kamst du auf das Cover und den Titel des letzten Albums?

Das Sujet habe ich, nachdem ich im bürgerlichen Leben Grafiker bin, selbst erstellt. Es ist eine Metapher für den Menschen, die sogenannte Krone der Schöpfung, todgeweiht und Opfer seiner Leidenschaften und Wunden. Ein Schwert steckt in seinem brennenden Herzen. Auch Symbol der Verarbeitung meiner eigenen Wunden. Daher auch der Titel „Sticht“. Weil der Dreck des Lebens einfach im Herzen sticht.

KKM: Inwieweit nutzt du das Songwriting als Eigentherapie?

Definitiv verarbeite ich erlebtes und gefühltes und Dinge, die mich beschäftigen. Roger Waters hat mal gesagt „Wenn es keine Seele hat ist es wertlos.“ Ob jemand in meinem Material Seele findet sei jedem selbst überlassen. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich da sehr viel von mir und meiner Gedanken- und Gefühlswelt hineinlege. Selbst in einem Song wie „Vampir“, der auf einer offensichtlichen Ebene einfach nur eine abgekaute Vampirgeschichte ist verbirgt sich ein Teil von mir.

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KKM: Hast du einen persönlichen Lieblingssong auf dem aktuellen Album? Wenn ja, welcher ist es und warum?

Hm, das ist gar nicht so einfach, aber ich würde sagen „Sehnsucht „und „Hej, danke!“

KKM: Gibt es einen zentralen Song, der die Grundgedanken des Albums exemplarisch aufzeigt?

Ja. Für mich ist das „Hej, danke!“ Es ist mein persönlicher, sarkastischer und symbolischer Mittelfinger den ich meiner Vergangenheit und den Menschen, die mich verletzt haben, gezeigt habe und die ich damit hinter mir gelassen habe.

KKM: Wie wichtig ist für dich (musikalischer) Erfolg?

Ich tue was ich tue, weil ich nicht anders kann. Ich liebe es. Aber mal ehrlich … wer bitte will keinen Erfolg? „Och, ich verdiene lieber nix! Ich bin authentisch idealistisch alternativ!“ Oder was? :-) Bullshit. Natürlich arbeitet man darauf hin Erfolg zu haben. Aber man kann ihn nicht erzwingen. Und dann ist künstlerischer Erfolg noch lange kein finanzieller auch. Wer kauft bitte noch CDs? Heute musst du CD Produktionen, die dich tausende Euros gekostet haben einfach herschenken, wenn Du ein kleiner Act bist. Youtube & Co und der ganze Streaming und Download-Wahnsinn, der sicherlich auch seine tollen Seiten hat, hat unser Geschäft quasi zum Erliegen gebracht. Nicht einmal Grammy-Nominees wie Periphery können von der Musik allein leben. Erst jüngst hat Misha Mansoor von Periphery ein Interview gegeben in dem er zugeben musste, dass sie von der Musik alleine nicht leben können. Selbst das Touren kostet mehr als es einbringt. Die Jungs verdienen ihr Geld mit Signature-Tonabnehmern und Gitarren und Verstärkern. Und Nebeneinkommen dieser Art. Aber nicht mit der Musik. So pervers das ist. Aber die Musik selbst ist zu einem Promo-Artikel verkommen.

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KKM: Wie zufrieden bist du mit dem bisher Erreichten und was willst du weiterhin erreichen?

Es gibt Luft nach oben :-)

KKM: Und wo siehst du dich in 20 Jahren?

Steinreich in einer Villa in „Dort-Wo´s-Geil-Ist“ … Ich hoffe, dass es mich in 20 Jahren noch gibt :-)

KKM: Mit welchen Schwierigkeiten hast du als Musiker momentan am meisten zu kämpfen? Oder läuft bei Dir alles so, wie es laufen sollte?

Ich will nicht von Schwierigkeiten reden. Ich nenn es lieber Herausforderungen. Und die gibt es natürlich :-)

KKM : Zum Schluss dann noch das obligatorische “Du musst den Satz vervollständigen”-Spiel: Ein Satz beginnt mit den Worten ”Wenn ich drei Wünsche frei hätte…“. Wie beendest du ihn?

dann würde ich sie Dir nicht verraten :-)

KKM: Ein Satz beginnt mit den Worten ” Musik ist…“. Wie beendest Du ihn?

mein Magnet. Mein Lebenselixier. Das Fitness-Studio meiner Leidenschaft.

KKM: Der Sinn des Lebens ist … …

zu entdecken, dass es DEN SINN nicht gibt. Sondern, dass Du deinem Leben Sinn geben musst. Und das geht in meinen Augen am besten wenn Du tust was Du liebst, koste es was es wolle und diese Liebe deinen Mitmenschen weitergibst und strahlst. Lass Dich nie von jemandem schlechtreden! Du bist dein eigener Sinn und Deine eigene Wahrheit. Und nur in Dir kannst Du sie entdecken. Aber die schönste Form des Lebenssinns ist für mich nach den Prinzipien der Liebe zu leben.

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KKM: Wenn dieses Interview endlich vorbei ist, werde ich folgendes tun…

Duschen gehen … :-)

Vielen Dank für deine Zeit,das Interview und natürlich für die Musik:-) Ich muss dringend mal kommen und live dabei sein!!! Alles Gute für die Zukunft!

Ich danke für Deine tollen Fragen und Dein bzw. Euer Interesse an dem was ich bin und tu! Hat Spaß gemacht! :-)

geschrieben von Claudia Tomaszewski

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Website: www.amandasnadel.com
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