Erdling – Yggdrasil – VÖ:10.01.2020

Der Erdling und der Weltenbaum – das ist nicht nur dem Namen nach eine untrennbare Einheit. Yggdrasil war vom ersten Tag an Teil des Bandemblems. Nun hat die Band ihrer Inspiration ihr viertes und bislang härtestes Album gewidmet und sich dabei so nah ans Feuer gewagt wie nie zuvor. Vorsicht: Verbrennungsgefahr!

Erdling reizen ihr gesamtes Spektrum aus, betreten furchtlos neues Terrain – und bleiben doch ihren Stärken treu. Hymnen wie die erste Single „Wir sind Midgard“ oder „Wölfe der Nacht“ feat. Chris Pohl von Blutengel klingen unverkennbar nach Erdling. Doch die Wurzeln des Weltenbaum sind dunkel: Dark Metal Songs wie „Grendel“ oder „Im Namen der Krähe“ feat. Robse Dahn von Equilibrium zeigen die Band von einer finsteren, wilden und heidnischen Seite. Das gilt auch für das brilliant in Szene gesetzte Artwork, auf dem Yggdrasil im Sturm sein Blätterkleid verliert.  Frontmann und Songwriter Neill sagt dazu: „Viele Dinge werden in unserer Wohlstandsgesellschaft verdrängt. Der Tod überrascht und verstört uns. Es ist Zeit für eine Rückbesinnung auf die Grundzyklen der Erde und des Lebens, in denen der Tod zum Dasein dazu gehört.“

Reinhören:https://www.youtube.com/watch?v=W-ks3m1aOTs

„Yggdrasil“ erscheint als als 2-CD Digipak sowie als streng limitierte Die-Hard-Holzbox. Diese Holzbox enthält neben dem Digipak die exklusive Bonus CD „2015-2020 – Die Demos“ mit unveröffentlichten Demoversionen. Doch auch die Weltenesche soll ihr Geschenk erhalten: Mit einem Tütchen Eschen-Saatgut können Erdling-Fans der Natur etwas zurückgeben und der Zerstörung der Erde einen Funken Hoffnung entgegenstellen. Ein Duftbaum überdeckt den Gestank der industrialisierten Welt mit dem Aroma des Waldes. Ein Recycling Kugelschreiber und ein handnummeriertes Echtheitszertifikat vervollständigen ein Boxset, das mehr ist als nur eine Verpackung – es ist Ausdruck eines Albums, das den Hörer zum aktiven Teil einer besseren Welt machen will.

 

Rezension

Erdling – Yggdrasil

Ich gebe zu, ich habe mich mit Erdling bisher nicht wirklich befasst. Auch wenn es sie bereits seit 2015 gibt und das am 10.01.2020 erscheinende „Yggdrasil“ schon ihr 4. Album ist, waren sie für mich bisher nicht so sehr ins Bewusstsein getreten. Ich denke das wird sich nun ändern, denn „Yggdrasil“ gefällt mir wirklich gut.

Erdling sind musikalisch irgendwo zwischen Metal und neuer deutscher Härte zu Hause. Mit ihrem neuesten Album kehren sie, nach eigenen Worten, zurück zu ihren Wurzeln. Denn Yggdrasil, die Weltenesche, ist seit jeher das Emblem der Band. Sie begeben sich in 11 Songs in mystische Welten und zu sagenumwobenen Gestalten, klagen aber auch Missstände in der Realität an.

Das Album beginnt mit einem Intro, indem eine hallende weibliche Stimme verkündet, dass der Baum des Lebens stirbt. Anschließend geht es eiskalt mit „Blizzard“ weiter. Treibender Sound, harte Gitarrenriffs und Neills Stimmt schaffen zügig eine kalte Atmosphäre, in der man verbrennt. Ein sehr schöner Einstieg in die Songs, die da noch kommen.

Bei „Wir sind Midgard“ haben sich unvermutet die ein oder anderen Synthesizer-Klänge eingeschlichen, was aber sehr gut dazu passt. Ansonsten geht der Song mit seinen Gitarrenriffs und dem einprägsamen Refrain gut vorwärts.

Zu „Im Namen der Krähe“ haben sich Erdling stimmliche Unterstützung von Robse Equilibrium geholt. Das Video zu diesem Song ist auf jeden Fall nichts für schwache Nerven, denn es zeigt schonungslos den respektlosen Umgang mit Tieren auf unserer Welt. Doch auch ohne die bewegten Bilder hat das Stück Eindruck bei mir hinterlassen. Für mich passt die Stimme von Robse perfekt zur Unbarmherzigkeit des Herren. Sie verleiht dem Ganzen noch mehr Tiefgang.

Grendel“ und „Wölfe der Nacht“ bilden sozusagen eine Einheit und folgen auf dem Tonträger praktischer Weise hintereinander. „Grendel“ beginnt mit dem Kurren eines Wolfes. Der ordentlich treibende Metal bringt die aggressive Atmosphäre eines sich soeben verwandelnden Werwolfes wirklich gut rüber. Am Ende des Stückes ist die Verwandlung deutlich hörbar abgeschlossen. Passend zum Versprechen, dass der Wolf bei Vollmond niemals allein ist, bekommt das Rudel der Wölfe Verstärkung. Es gesellt sich bei „Wölfe der Nacht“ Chris Pohl hinzu. Erstaunlicher Weise klingen die Stimmen von Neill und Chris ziemlich gut zusammen und runden den dynamischen Song ab.

Brechend mit den Gewohnheiten vieler Bands, kommt das Titelstück „Yggdrasil“ erst zum Schluss des Albums. Der Refrain ist wirklich in rasantem Tempo gesungen, sodass ich ein paar Mal konzentriert hinhören musste um ihn zu verstehen. Die Weltenesche – immergrün und immerdar – wird in einem schnellen und mitreißenden Song besungen. So rasant wie das Lied zunächst ist, so ruhig und beinahe andächtig verklingt es und schließt das Album ab.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Erdling mit „Yggdrasil“ ein wirklich gutes Album mit ordentlich Bumms dahinter abgeliefert haben. Wer also auf Eisbrecher und Co. oder ordentlichen Metal steht, der macht mit Erdling definitiv nichts falsch. Und wer sich live von ihnen überzeugen möchte, bekommt jetzt auch gleich noch die Gelegenheit dazu, denn sie sind im Januar auf Headliner-Tour in ganz Deutschland unterwegs.

geschrieben von Antje Heine

 

Facebook: https://www.facebook.com/erdlingofficial/

Website: https://www.erdling-band.de/

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